Bucherkiste

Bücher 2009

Die Entdeckung des Lichts
Ralf Bönt, Dumont

Licht ist magnetisch – der Roman eher nicht
Mich hat der Roman nicht wirklich überzeugt. Wenn man immer einen Hang zum Weiterblättern oder Überlesen in sich spürt, kann was nicht stimmen. Die Frage ist nur, was? Nun, auf dem Buchumschlag wird das Werk als fesselnder Roman beschrieben und leider hat er mich nicht gefesselt. Sogar unspannend. Ab und an wird man „geweckt“ durch spektakuläre Sätze über irgendwelche Phänomene, sei es das von Faraday als erster durchschaute Zusammenspiel zwischen Magnetismus und Elektrizität, wodurch er die Grundlage für die vereinheitlichte Theorie der Elektrodynamik legte, oder z.B. das Lavoisier Gesetz, dass sich alles verwandelt in anderes aus denselben Bestandteilen. „Wog man zum Beispiel beim Verbrennen von Holz alle beteiligten Stoffe vorher und hinterher, das Holz, die Luft, die Abgase, dann fehlte nichts“ (Seite 11). Solche und ähnliche Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Helden des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts kommen zu hauf. Und wie gesagt, sie tropfen plötzlich daher und man fragt sich, als interessierter Mensch, was habe ich da grade eigentlich gelesen, kurz bevor man einschläft ,über die ständigen Kopfschmerzen unseres Helden und seiner Sehnsucht nach Sarah. Na ja, man kann ja alles in Fachbüchern nachschauen oder googlen. Man gebe einfach die Namen ein, von Newton, über Davy, Maxwell, Volta, Ampere, Riebau, etc…Aber ich habe die ganze Zeit auf einen „Roman“ gewartet, etwa nach dem Vorbild vonJohn Griesemers „Rausch“, welcher auch tatsächlich  mit den Inhalten des vorliegenden Romans korrespondiert. Die Verlegung des Atlantikkabels (Rausch) ist aber eine durchgängig spannende Prosa, wobei „Die Entdeckung des Lichts“ eine Art Biographie Faradays ist, mit den unendlichen Werbungen um seine Frau Sarah und den zunehmenden Kopfschmerzen mit Gedächtnisverlust durch die vielen giftigen Chemikalien, mit denen er experimentierte. Nun, er schaffte es dennoch, trotz schwerer Krankheit und diversen Ausfällen, die Entdeckung derelektromagnetischen Induktion  zu belegen. Diese Experimente bilden heute noch die Grundlage der modernen elektromagnetischen Technologie. Sie ermöglichten es ihm, den ersten Dynamo (Generator) zu konstruieren. Es gibt noch eine Art zweiten teil des Buches, aber auch die zeitferne Verbindung Faradays mit der Familie Einstein und dem jungen Albert als weltinteressierter, angehender Genius, mochte für mich diesen Roman nicht retten. Trotz allem gibt es viele wichtige Aspekte. Quasi Nebenkriegsschauplätze wie Aufstieg und Fall Napoleons,  die weltweite Choleraepidemie zu der Zeit, das am eigenen Dreck fast erstickende London, die Vorstellung der großen naturwissenschaftlichen Geister jener Zeit und deren Marotten. Ach ja, vielleicht sollte ich noch mal von vorne anfangen. Aber ich denke, dann überblättere ich noch schneller. Und das wäre respektlos.

 

Grenzgang
Stephan Thome, Suhrkamp

Hessische Provinz aber kein provinzieller Roman
Hessen, der zweite Roman in kürzester Zeit. Zuerst der beeindruckender Gesellschaftsroman "Die Ängstlichen" von Peter Henning (sehr gut), und nun ein Debüt, dass nicht nur aufhorchen lässt, nein, es ist auch wieder richtig gut. Und wieder sind wir in einer hessischen Kleinstadt; diesmal geht es um einen Feierritus in "sieben Jahres Abständen", und dieses Fest heißt eben "Grenzgang". Der Ort ist fiktiv (Bergenstadt), irgendwo zwischen Lahn und Röhn, was weiß ich, aber es kommt einem alles sehr bekannt vor, auch wenn man in einer Großstadt aufgewachsen ist. Denn genau so muss es sein: die Kleinstadt, wo sich fast jeder kennt, und wo man trotzdem einsam ist. Wie die beiden Hauptpersonen Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Wie die Namen schon sagen, Menschen wie du und ich. Mit all den erlebten Dramen, Träumen und Enttäuschungen. Der "Grenzgang" findet alle sieben Jahre statt und in der Hauptsache wird der des Jahres 2006 zitiert. Woraus hervorgeht, dass der vorherige Grenzgang 1999 war, 1992 bis 1985. eben. Aber Stephan Thome ist so klug, uns auch auf den "Grenzgang" 2013 mitzunehmen. Wir sind ständig dabei, zwischen den altersadäquaten Erlebnissen der jeweiligen Jahre und ihrer Hauptpersonen hin und her zu springen. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, entwickelt sich aber zu einem zuverlässigen Stilmittel.
Nichts ist wirklich spektakulär, die Prosa erfährt ihre Dramatik aus der zeitweiligen Ziellosigkeit der Menschen, kleine Fluchten die erbärmlich scheitern, es ist das Aufgeben von Zielen und Träumen, das sich Einrichten in der Langeweile oder das Aufgeben von Lebensplänen. Trotzdem ist das Buch spannend, man fiebert mit den Protagonisten, weil, und das ist die Stärke dieses Romans, das hättest du selbst sein können (besser noch - das bist du).

 

Der Brenner und der liebe Gott
Wolf Haas, Hoffmann und Campe

..und jetzt kommst du!
Stell Dir vor, Du setzt Dich, so wie früher oft, an den Tresen Deiner Stammkneipe, und nimmst Dir vor, einen schönen relaxten Abend mit ein paar harmlosen Plaudereien…, etc. Du verstehst. Kommt ein alter Kumpel rein, setzt sich ungefragt neben Dich und fängt an, eine haarsträubende Geschichte zu erzählen, wo Dir nichts anderes übrig bleibt, als zu nicken, oder ab und an die Stirne zu runzeln oder eben herzlich zu lachen. So weit klar? An einem Strich wird Dir da eine Story aufgetischt, die absurder nicht sein kann; und mittendrin der Brenner, ehemals Polizist und heute gleichmütiger und gelassener Fahrer, oder besser Chauffeur einer kleinen Prinzessin, die er, weil die reichen Eltern in dem magischen Dreieck Wien, Kitzbühel und München ihr mehr oder weniger sublegales Tun betreiben, zwischen diesen großen Adressen hin und her fährt. Die beiden haben sich so aneinander gewöhnt, also der Brenner und die kleine Helena, kommst Du noch mit? dass die Kleine schon meint, die Autobahn sei ihr Kinderzimmer. Pass auf, ich will gar nicht mehr verraten, denn was jetzt passiert, musst Du gelesen haben, von Kindesentführung, über Korruption, Prostitution, und sechsfachem Mord, alles da, ob du es glaubst oder nicht. Und immer wieder diese Abtreibungsgegner, ich sage Kampfbeterinnen, wenn Du verstehst was ich meine. Also eine Sprache, da bleibt sie Dir weg.

Und wenn wir uns demnächst am Tresen treffen, dann erzählst Du mir haarklein, was Du von dem Brennerroman gehalten hast. Und komm mir nicht mit, komischer Duktus oder so eine Scheiße, das ist der Stil von dem Haas.
Ich sage Hut ab!

 

Träume von Flüssen und Meeren
Tim Parks, Verlag Kunstmann

Tim Parks ist ein Autor, dessen Genialität darin besteht, Themen der Zeit sowohl in ein höchst unterhaltsames - wie auch in ein gesellschaftspolitisches, analytisches Korsett zu zwingen. Wer bisher nur "Eine Saison mit Verona" gelesen hat (wohlgemerkt, eines der besten Fan - Fußballbücher überhaupt) und dann zu diesem fulminanten Werk mit dem wunderbaren Titel: "Träume von Flüssen und Meeren" gelangt, der vermag diese Bandbreite wohl kaum glauben. Ich habe den Umweg über seinen Roman "Stille" nehmen können, und nähere mich etwas gelassener dieser Prosaleistung. Wie in "Stille" geht es auch in seinem neuen Werk vordergründig um eine Vater - Sohn Beziehung, vielleicht eher um die Nichtexistenz dieser. Albert James, von dessen Tod wir sofort zu Anfang des Romans erfahren, ist (ich sage bewusst "ist") eine Art Kommunikationsanthropologe, der es zu seinem Forscherziel gemacht hat, zu beweisen, das kleinste Störungen von bestehenden kultur-sozialen Strukturen, dessen Ende bedeuten können. Fast schon Chaostheorie, oder? Nun, ich verstehe diesen Roman leicht metaphysisch, und meine damit nicht etwa "übersinnlich". Ich will es kurz machen und trotzdem Geschmack auf dieses Buch einfordern: Alle wichtigen "Protagonisten" dieses Buches, als da sind Alberts Frau Helen, die als Ärztin und eine Art Mutter Theresa, ihrem Mann in in die ärmlichsten und erbärmlichsten Slums der Erde folgt und hier in wilder Verzweiflung Leben rettet, wo ein paar Straßen weiter gleich zehn Mal so viel sterben.
John, Alberts Sohn John, verbringt seine Zeit eigentlich in einem Labor und untersucht die Zellstruktur des oder eines TB Bazillus im Allgemeinen, und dessen Mutations-. bzw. Aktivierung und De - Aktivierung mittels eines Enzyms, im Besonderen. Oder so. Seine Freundin ist heiß auf eine Rolle in einem Theaterstück und lässt sich zum Unwillen von John mit dem Regisseur ein. Dann haben wir noch einen amerikanisch propperen Wissenschaftsjournalisten, der, begeistert von den Schriften Albert James', eine Biographie über denselben machen will. Sie alle treffen sich im dampfenden, elenden indischen Delhi und Tim Parks versteht es, uns allumfassend mit einzubeziehen. Nie habe ich vorher so unglaublich nah, von Magenkrämpfen und Durchfallproblemen gelesen. Es schmerzt einen selbst bei der Lektüre. Eine wichtige Rolle bei der ganzen Geschichte spielt die Spinne. Ist klar, Netz, vernetzt, vernetzte Strukturen, wir hatten das weiter oben. Und nun mein metaphysischer Plot: Albert James, jetzt Tod, sieht auf all seine Schauspieler runter und fragt sich amüsiert, in welche Richtung das von ihm angezettelte Theaterstück geht. Ab und an äußert Helen diesen Verdacht in dem sie einmal mehr fragt:  "Albert, warum hast du mich allein gelassen? Was willst Du mir sagen?" Gut, das weiß ich jetzt auch nicht so recht, aber dieser Roman macht Spaß, ist hohe Literatur, kurz absolut lesenswert.

 

Die Ängstlichen
Peter Henning,Aufbau verlag

Bei diesem Buch bin ich in meinem Element. Und seit langer Zeit wieder ein Gesellschaftsroman aus der Mitte Deutschlands.
Das Szenario kann nicht düster genug sein: über der hessischen Kleinstadt Hanau und drum herum, braut sich ein katastrophales Unwetter zusammen.
Eine klassische Eröffnung um gleich in die Atmosphäre dieses Buches zu tauchen. Mit Protagonisten, die allesamt nicht ganz beieinander sind, aber die, bis zum Zeitpunkt dieses Sturmes, einen einigermaßen Status quo im Leben hatten und die zusahen, irgendwie zu recht zu kommen. Es gibt die greise, aber im Kopf noch fitte Johanna, die als übriggebliebenes Familienoberhaupt, zumindest sieht sie sich so, beschließt, in ein Wohnstift zu gehen. Sie will dieses epochale Ereignis ihrer Familie mitteilen und lädt zu einem Essen ein. Helmut, Ulrike und Konrad, ihre Kinder, sind auf unterschiedliche Weise auf dem Weg, sich selbst zu verlieren. Ulrikes Mann, vermeintlicher Draufgänger und Erfolgsmensch, schlittert von einer Katastrophe in die andere. Helmuts Sohn Ben, hypochondrisch und erfolglos im Beruf und Leben, von Zukunftsangst geplagt, und ähnlich perspektivlos wie sein Onkel Konrad, der nach Nervenzusammenbrüchen in psychiatrischen Anstalten lebt, und nach medikamentöser Einstellung immer wieder Fluchtpläne schmiedet, versagen ebenfalls die Nerven. Dann gibt es noch den Polen Janek, letzter Lebensgefährte von Johanna, der aber, spielsüchtig und verschuldet, versucht einen Selbstmord vorzutäuschen um seine Häscher zu verarschen, was ihm natürlich misslingt. Man sieht, eine ganz normale Familie. Nein, im Ernst, wenn so das Leben aussieht, dann würde ich es sofort nicht mehr wollen. Es gibt keinen Hoffnungsstreifen, nirgendwo, und der nächste Sturm kündigt sich schon an. Im shakespearschen Sinne endet alles, wie bei Hamlet oder Macbeth - im Blut. Eine absolut lesenswerte Gesellschaftsanalyse aus der Sicht einer vermeintlich normalen Familie, die aber, wie viele von uns, jeweils untragbare Säcke von Problemen schleppen müssen und die aber alles mühsam verbergen wollen. Manns Buddenbrooks, Updikes Rabbitromane und Frantzens "Korrekturen" standen auf jeden Fall hier Pate. Ausweglosigkeit wo man hinguckt. Man kann sich natürlich fragen, warum das alles? Schreibt hier ein, von seiner Familie gebeutelter Mensch, einen Racheroman? Ist er immer als letzter in die Mannschaft gewählt worden? Nein, ich will es nicht wissen. Der Roman ist lesenswert und deprimierend zugleich. Man muss erstmal Atem holen nach den letzten Seiten und sich eventuell neu einnorden.

 

Mathinna
Richard Flanagan, Atrium Verlag

Ein eigentümlicher Roman. Denn ich liebe eigentlich die fiktive Verquickung von Personen der Welt- und der Zeitgeschichte, wie z.B. bei Kehlmanns „Vermessung der Welt“ (der Entdecker Alexander von Humboldt und der Mathematiker Gaus) oder zuletzt Köhlmeiers „Abendland“ und/oder Richard Powers „Der Klang der Zeit“
Auch Nadolnys „Entdeckung der Langsamkeit“, einen Roman, den ich in Achtzigern geliebt habe – und sogar einen Song daraus gemacht habe – beschreibt das Leben und Sterben des Polarforschers John Franklin (1786-1847), ein englischer Held, Seeschlachten gestählt und überzeugt davon, die Norwestpassage (die heute tatsächlich auf Grund der Klimaveränderung befahrbar ist) entdecken zu können. Nun habe ich das neue Buch „Mathinna“ von Richard Flanagan gelesen und einen zwiespältigen Eindruck. Denn nicht nur Sir John Franklin spielt in diesem Roman eine Hauptrolle, sondern auch einer der größten Geister der Weltliteratur, eben Charles Dickens.  Der Roman spielt in Tasmanien, wohin der träge Sir John als Gouverneur versetzt wurde, und in London.

Inhalt mal kurz: Lady Jane Franklin ist frustriert und kinderlos, will sich neu erfinden in dem sie eine Eingeborene (Mathinna) adoptiert. Dem schwerfälligen Franklin fällt die Grazie der Kleinen erst spät auf, dann aber mit Macht. Vor allem geht es in Tasmanien um das ganze Desaster der Kolonialisierung, der Ausrottung und der vergeblichen Christianisierung. Beispielhaft und eindringlich beschrieben. Und bevor Sir John zu seiner letzten Entdeckungsfahrt in den Norden aufbricht, hinterlässt er in Tasmanien abgrundtiefe Trümmer. Lady Jane, dann allein in London, hört Gerüchte, die Expedition Ihres Gatten sei jämmerlich gescheitert und bevor alle im Eis starben, hätte es Fälle von Kannibalismus gegeben. Sie bittet, den auch damals schon berühmten, Charles Dickens um Hilfe, dem es auch gelingt, die Ehre von Sir John über ein erfolgreiches Theaterstück, in dem er, Dickens, selbst mit spielt, zu retten. Der Erzählstrang Dickens ist auch geprägt von einem Riesenfrust familiärer Art, denn Dickens Frau ist nach 10 Kindern in die Unförmigkeit abgedriftet, und vollkommen lebensunlustig. Dickens dagegen ist nach und nach vernarrt in eine junge Schauspielerin in seinem Ensemble und lebt auf. Zwischenzeitlich treibt „Mathinna“ ihren eigenen Untergang und stirbt völlig ausgemergelt und jung an Dreck, Prostitution und Hunger.

Das hört sich irgendwie durcheinander an, ist es auch. Trotzdem bleiben alles drei Ebenen, Sir John/Lady Jane; Charles Dickens / Mathinna sprachlich auf hohem Niveau und das Buch legt man nicht so einfach an die Seite. Es hat aber nicht das Potential von Nadolnys „Entdeckung der Langsamkeit“ denn die Selbstverleugnung alter Männer, die sich, ob nun platonisch oder real, in junges Gemüse verlieben, bleibt immer ein Thema

(Walser : Ein liebender Mann, etc) und es ist hier nicht so durchdringend getroffen.

Auch Lady Jane spielt eher eine nervende Rolle aber richtig Spaß macht es, gemeinsam mit Charles Dickens unterwegs zu sein. Seine Unsterblichkeit, sein Erfindungsreichtum sein schauspielerisches Talent, muss auch damals, vor über 150 Jahren, die Menschen in den Theatern Londons fasziniert haben.

 

Seichtgebiete - warum wir hemmungslos verblöden
Michael Jürgs , C.Bertelsmann

Vor ein paar Jahren hatte ich Gelegenheit bei einer Gedenkveranstaltung zum hundertsten Geburtstag von Herbert Wehner (2006), dem SPD Urgestein, ein paar Lieder zu spielen. Als Gastredner war Hans Jochen Vogel eingeladen. Damals auch schon stolze achtzig Jahre. Die SPD befand sich schon mitten im Niedergang - hatte ureigene Aufgaben an die Grünen und an die Linke abgegeben und war noch nicht ganz auf dem Weg zur Splitterpartei, so wie heute. Dieser Hans Jochen Vogel zog eine gesellschaftspolitische Bilanz, das den Schröders, Steinmeiers und Müntefering, die Ohren gewackelt hätten, wenn sie da gewesen wären. Vor mir stand ein hoch gebildeter Sozialist, der aber alt war/ist und keine Repressalien zu fürchten hatte. Kein Parteiausschluss oder sonst irgendeine Entlassung. Eben „elder statesman“. Und hier komme ich zu meinem Vergleich mit dem vorliegenden Buch „Seichtgebiete“ (warum wir hemmungslos verblöden) Vorab:  jeder, der noch ein wenig Grips im Schädel hat und noch nicht wirklich weiß, was medial abgeht, muss dieses Buch lesen. Jürgs hat selbst keine Hemmungen mehr, jetzt im Alter von 64 Jahren, mit gesichertem Einkommen - z.B. als ehemaliger „Stern“ Chefredakteur -, uns alles um die Ohren zu hauen. Dabei scheint das vordergründig lustig, wenn er sich über die Blöden hermacht, die Hartz 4 gestrandeten und sonstigem menschlichen Leergut. Die Seichtgebiete werden erobert von Primaten wie Mario Barth, Cindy aus Marzahn, etc. und dem ganzen Blödelrudel von Moderatoren und „Sendungen“ oder besser Prollformaten, der Privaten. Michael Jürgs hat überhaupt keine Skrupel mehr, denn wahrscheinlich hat er auch die Altersweisheitsmütze auf und ist deshalb unangreifbar. Aber egal: kein Sozialgeschwafel mehr von „das Sein bestimmt das Bewusstsein“ oder sonstige soziologische Plattitüden. Wer blöd ist, ist eben blöd. Und das Fernsehen macht aus den Blöden noch Blödere. Herrlich die Kapitel -Überschrift „Kante statt Kant“. Was sich da vor unseren gepflegten Vorgärten zusammenrottet, ich will es eigentlich gar nicht wissen, muss ich aber. Die mediale Dynamik ist unglaublich, die Grundschulen gefüllt mit Resignation und Verwahrlosung, ein Rad das sich nicht mehr zurück drehen kann. Mit big brother fing das Elend an öffentlich zu werden, natürlich gab es vorher schön genug Blödheit, aber seit dem Beklopptheit im Fernsehen angesagt ist, und man auch nur noch so selbst mal kurz ins Fernsehen kommen kann, und man eine sms auf dem Handy findet, „Boah, geil, isch habdisch im Fernsehn gesehn, super“, ist der Drops gelutscht. Höhepunkt des Buches ist ein (leider) fiktives Tribunal im deutschen Bundestag. Thema: Wer ist Schuld an der allgemeinen Verblödung? Und alle sind da: Bohlen, Klum, Barth, Schrowange, ach, was weiß ich, eben alle, die an dem Elend mit schuldig sind, weil sie „mit“- machen. Und darauf kommt es an. So schlimm es sich anhört, und wie durcheinander der Text auch manchmal daher kommt, es ist ein Hilfeschrei nach einer Kulturrevolution. Leider ist das Wort schlimm besetzt, aber ich werde mich bemühen, es zu ersetzen, mit gleichem Inhalt und weiter gegen Verblödung ankämpfen, in dem ich z.B. meine Tochter bitte, doch Lehrerin zu werden. Die letzten Guten müssen dahin, adäquat bezahlt werden, also wie heute Studienräte, die es bei weitem nicht so schwer haben. Das Buch ist so was wie eine letzte Warnung. Unbedingt lesen und dem Autor ein paar unüberlegte Gedanken verzeihen.

 

Totenmesse
Arne Dahl, Piper Verlag

Im Gegensatz zu Dan Browns Illuminati oder Sakrileg und ähnlich mystischer- und pseudowissenschaftlicher Prosa, ist hier der Plot nicht weiter ärgerlich. Wenn es auch um die - oder eine der sogenannten Weltformeln geht, ohne die die Menschheit angeblich nicht zu retten ist. In diesem Fall "Energie" - ist ja immer angesagt. Und am Ende des Tages verpufft alles, weil irgendwer den Wert der Formel nicht erkannt hat und das Papier, auf dem der Weg der Menschheit in eine rosige Zukunft aufgezeichnet war, mangels Tabak, weggeraucht wird. Hört sich hanebüchen an, oder? Aber nicht bei Arne Dahl. Nach wie vor ist er mein absoluter Favorit der - fast unüberschaubaren Zahl - nordischer Krimiautoren. Er ist einfach der Analytischste von allen, mit einer gehörigen Portion Wut auf die gesellschaftliche Dynamik im Allgemeinen und ihrer Auswirkung auf die Polizeiarbeit (und hier in Schweden) im Besonderen. Immer wieder spickt er punktgenaue, politische Statements von unbestechlicher Logik in seine intelligent aufgebauten Krimis ein, die wiederum mit dem jeweiligen Fall und den eifrigen Akteuren im Polizeidienst, korrespondieren. Und es ist schön mit denen älter zu werden; Paul, Kerstin, Arto Viggo, Lena, Gunnar und was weiß ich. Wie es sich für einen anständigen nordischen Krimi gehört, fangen die Handlungsstränge so an, dass man sich eigentlich nicht vorstellen kann, wie die und ob die überhaupt irgendwann zusammenfinden. Aber da kann man sich schon sicher sein. Die Spezialeinheit der Polizei in Stockholm, das sogenannte A-team, steht vor einem, nein, mehreren Rätseln. Unversehens wird aus einem Banküberfall mit Geiselnahme ein Fall mit weltpolitischer Dimension, der kalte Krieg, der Kessel von Stalingrad, die ganze Agentensuppe, die nach dem Mauerfall oder früher, sich neu orientieren muss. Und vieles interessantes mehr. Und wieder mal muss ich mir von Dahl Weltgeschichte erklären lassen und ich weiß verdammt noch mal nicht, warum ich das nicht wusste. Wurde uns das in der Schule vorenthalten? Ist der Hitler- und der Naziwahnsinn zu sehr mit der Judenvernichtung und den Weltmachtansprüchen einer hirnlosen Nazi-Elite verbunden? Dahl klärt auf: der zweite Weltkrieg wurde von Hitler begonnen zur Erlangung der Vorherrschaft im Energiebereich. In der Region um Stalingrad wurden damals Ölreserven vermutet, oder schon gefördert, mit der Hitler seinen Weltwahn zementieren wollte. Also nichts anderes als heute, siehe Golfkriege, etc.. Der erste Weltkrieg wurde verloren (nach Nazimeinung), weil Benzinnachschub für die Panzer ausblieb. (Wir hatten ja  nichts) Ja, ich gebe zu, diesen Teil der Geschichte kannte ich nicht. Das über dem Kessel von Stalingrad die Luft vor Russ und von den brennenden Ölquellen nicht mehr atembar war und die Sonne auf Monate verdunkelte, ich wusste es nicht. Es kommt auch, glaube ich, in den Filmen über Stalingrad gar nicht vor. Sei` s drum. Totenmesse ist wieder mal ein spannendes Werk von Arne Dahl und absolut empfehlenswert

 

Abendland
Michael Köhlmeier, Hanser Verlag

Es ist jetzt ca. fünf Jahre her, da habe ich von Richard Powers "Der Klang der Zeit" gelesen. Ein wunderbares Buch über eine weite Strecke des 20. Jahrhunderts vornehmlich in den USA, aber nie kommt die Welt außerhalb zu kurz. Es geht um die Geschichte zweier Brüder mit außergewöhnlichen Talenten, der eine Pianist und er andere noch ausgestattet mit einer klassischen Gesangsstimme, die auf der ganzen Welt für Furore sorgte. Eine Mischung aus Zeitgeschichte und Fiktion, Rassenhass und Familienbande und Musikbeschreibungen, ach, was weiß ich - eben ein außergewöhnliches Buch. Und nun bin ich wieder bei so einem Buch gelandet, wo die Musik und die Zeitgeschichte, eine große Rolle spielt, "Abendland", ein Buch was mich sprachlos macht. So viele Geschichten in der Geschichte, in der Geschichte, in der Geschichte - und es wird nie zuviel. Zwei Handlungsstränge überwiegen, zum einen die Lebensgeschichte des Carl Jakob Candoris und zum anderen die, ich sage mal vorsichtig, seines Biographen Sebastian Lukasser. Sebastian ist vom hoch betagten Carl gebeten worden, sein Leben zu notieren. Und das birgt schon so viel, dass es für ein eigenes Buch gereicht hätte.
Die Musik, hier ist es der Gitarren - Jazz, spielt eine große Rolle denn Sebastians Vater George Lukasser, galt in den "einschlägigen Kreisen" als Gitarrenvirtuose, bekannt wie Chet Baker oder Barney Kessel. Carl war sein Mäzen, und so eine Art Übervater, schließlich auch für den jungen Sebastian. Hier versteht Michael Köhlmeier alles zu verbinden: ich bin einfach nur begeistert, so viel 20. Jahrhundert geliefert zu bekommen, und das fast gar nicht auslässt. Vom Kolonialismus bis zur Baader - Meinhof Gruppe, Weltkriege, kalter Krieg und die Leichtigkeit des Seins, von New Yorker Jazzclubs bis nach Innsbruck, Wien und Lissabon. Vom Bau der Atombombe, in einer Unmittelbarkeit, als wären Oppenheimer und Bohr nur dazu da, für dieses Buch zu parlieren, von Agententätigkeiten und Mordplänen. Alter, Gebrechen, Prostatakrebs, Erziehungsdefizite und Bindungsschwäche. Alles in allem verbindet Köhlmeier die Geschichte mit dem Leben seiner Hauptfiguren, und es ist nicht nur ein pralles Buch, sondern auch ein wunderbarer, hochintelligenter Roman entstanden. Nicht abschrecken lassen von der Seitenzahl, jede ist es wert, nicht nur einmal gelesen zu werden.

 

Frei von Schuld
Chris Tvedt, Verlag Knaur.

Man nehme den typischen Anwaltsallrounder, in diesem Fall Strafverteidiger, mit Marlowe -Allüren und Alkoholproblemen, Beziehungsunfähigkeiten und ständigen Geldproblemen. Schon haben wir wieder einen dieser überall in der westlichen Hemisphäre lebenden Spezies. Der Schauplatz ist diesmal Bergen in Norwegen und unser Anwalt heißt Mikael Brenne. Er steuert sich, durch seine eben beschriebenen Probleme, in eine kaum zu lösende Falle, für die er aber selbst sorgt. Der Plot ist selten genug und ich habe durchaus Respekt vor der Idee: ein Strafverteidiger vertritt den als Mörder angeklagten Mandanten und ist allerdings selber der Mörder, was erschwerend hinzu kommt. Der gordische Knoten, der hier durchhauen werden will, ist klar: er will einen angeblichen, aber durch verschiedene Indizien so gut wie überführten Mörder frei kämpfen ohne sich selbst in Verdacht zu bringen. Wir sind als Leser immer mittendrin, und verfolgen das Dilemma durchaus mit Sympathie. haben wir es doch hier mit dem üblichen skrupellosen Mafiagesocks zu tun, diesmal aus Südosteuropa, allerdings mit dem kleinen Hinweis, dass sich schließlich Brenne selbst von diesen Widerlingen hat anheuern lassen. Dazu kommt eine gesunde Mischung von Romanzen und Fehltritten und ich will es vorweg nehmen, sogar ein happy end. Das wohl deshalb, weil es ein sehr guter Debütroman ist und wir wohl bald einen nächsten Fall mit Anwalt Brenne haben werden, wahrscheinlich auch bald im Fernsehen. 22 Uhr Sonntag, ZDF. So ungefähr muss man sich das alles vorstellen. Genuss ohne Reue,

 

Driver
James Sallis, verlag heyne   

"Ausgezeichnet mit dem deutschen Krimipreis" und "Absolut meisterhaft - ein grandioser Thriller (Tobias Gohlis, Die ZEIT" ) - wow, was für Komplimente auf dem Buchdeckel. Normalerweise bin ich dann sofort skeptisch. Doch tatsächlich entpuppt sich das Büchlein als fein konstruierte, auch literarisch überraschende Geschichte, die vom Genre aber eher an einen guten Western erinnert. Dabei geht es bei Driver natürlich nicht um Pferde sondern um Autos. Aber das ist austauschbar. Und in den Hauptrollen braucht man sich bei "Driver" nur zwei Riesenschauspieler vorstellen, Clint Eastwood oder Steve Mcqueen. Dann kann die Geschichte abgehen. Der Driver ist Stuntman, nicht irgendeiner sondern der Beste, ist klar. Wortkarg und mürrisch, und da er der beste Fahrer von allen ist, lenkt er ab und an mal gegen gutes Honorar einen Fluchtwagen. Einmal allerdings soll er bei einer dieser Coups verarscht werden. Nicht mit Driver. Clint McQueen hat die letzte Antwort. Gute Sommerunterhaltung für einen Regennachmittag und überschaubar als Taschenbuch mit 159 Seiten. Nur nicht hinterher ins Auto setzen.

 

Hausaufgaben
Jakob Ajourni,  Verlag Diogenes

An Musils "Mann ohne Eigenschaften" erinnert mich der Lehrer einer gymnasialen Oberstufe für Deutsch, Joachim Linde (geht es "Deutscher"?), der in Arjournis an die Nerven gehendes Werk, die Hauptrolle spielt. Alles geht aus von einer Deutschstunde, die an der Nazi - Schuldfrage der Deutschen und seine Auswirkungen bis heute, aus dem Ruder gerät. Hier entwickelt man eine obskure Solidarität mit dem überforderten Lehrer, aber die Geschichte hat es in sich. Der Mann selbst ist sich seiner Sache  und seines Lebens nicht sicher hat aber in seinem Leben ein Riesentalent entwickelt, alles auf die anderen zu schieben. Rhetorisch durchaus gewand, windet er sich durch familiäre Katastrophen, die ein wenig den ertragbare (auch literarisch und somit auch für den Leser) Leidensdruck übersteigen: seine Frau klinisch depressiv, Tochter suizidal und Sohn neurotisch. Da kommt viel zusammen. Und Ajourni gelingt es tatsächlich mitreißend zu erzählen. Man ist hin - und her gerissen und am Ende sogar etwas ratlos und froh, auch nicht ansatzweise in solch einer Lebens- und Umfeldsituation leben zu müssen. Unbedingt lesen.

 

Das Spiel des Engels
Carlos Ruiz Zafon, Verlag S.Fischer

Alleine die Seite 276 aus dem "Spiel des Engels" lohnt die Lektüre des ganzen Buches. Selten habe ich eine so treffende und kompakte Erklärung dafür gelesen, warum Menschen glauben, bzw. warum es Religion überhaupt gibt. Letztendlich beliebig, weil alles aus dem gleichen Grund vorhanden: "der Glaube, jedes Ideal ist also nichts weiter als eine Fiktion?" fragt David Martin, dessen Lebensgeschichte Riuz hier beschreibt. Allerdings muss ich gleich einschränkend hinzufügen, dass mir das Buch nicht so gefallen hat wie "Der Schatten des Windes". Beim "Spiel des Engels" geht es tatsächlich um einen Engel (nur nicht so, wei man sich Engel landläufig vorstellt - der Engel verkörpert hier auch eher das Gegenteil) und als zweifelnder Mensch an metaphysischem und übersinnlichem Kram, wird man doch leicht müde. So furios das Buch startet, um so mehr Längen finden sich im zweiten Teil. Es war sogar so, dass ich im dritten Drittel drauf und dran war, das Buch zur Seite zu legen. Aber wie gesagt, die Seite 276...!

 

Der verbotene Ort
Fred Vargas, Aufbau Verlag

Die zweite Fred Vargas Enttäuschung innerhalb von zwei Monaten. Verziehen habe ich ihr den Ausflug in den Comicstrip (Das Zeichen des Widders) bei dem sie wohl einen ihr bekannten Zeichner, eine Art Kultursponsoring lieferte. Die Geschichte war knapp und unspektakulär. Sei` s drum. Hier geht es um den verbotenen Ort. Wie damals in Quebec (siehe "Der vierzehnte Stein") ist Kommissar Adamsberg mit seinem Commandanten Danglard auf einer Art Weiterbildung in London. Bei einem Ausflug stoßen sie vor dem berühmt - berüchtigten Friedhof Highgate auf siebzehn herrenlose Schuhe - allerdings mit abgeschnittenen Füßen drin. Eine gute Vargas Eröffnung. Was dann kommt, ist nicht die Fred Vargas meiner letzten Jahre. Es gibt zwar noch unglaubliche Verbrechen, Zerhackungen und Zerstückelungen, aber die Geschichte ist nicht rund. Wenn es dann im tiefen Serbien um Vampire geht, um Jahrhunderte alte Familienfehden, dann plötzlich aus dem nichts, noch ein naher Verwandter Adamsbergs auftaucht, der in Zukunft wohl noch eine wichtige Rolle in seinem Lebens spielt, so bleiben zwar die Dialoge gewohnt skurril, aber sie helfen dieser (fast bin ich geneigt zu sagen- hanebüchenen- Story) diesmal nicht weiter. Nein, das Buch strengt sogar an. Es fehlt mir die Leichtigkeit der frühen Jahre. Und im Willen, etwas noch Verrückteres zu schaffen, neue und seltsame Fäden in die Biographie von Adamsberg einzubauen, hat sie diesmal überzogen. Bloß nicht als Einstiegskrimi für kommende Vargas Freunde empfehlen. Am besten anfangen mit "Das Orakel von Port Nicolas". Und den verbotenen Ort umfahren vielleicht umfahren.

 

Frau Sorgendahls schöne weiße Arme
Lars Gustafson, Verlag Hanser

Bewegende (Alters-) Prosa
Lars Gustafson ist für mich einer der besten Autoren des philosophischen Romans. Vielleicht gibt es diese Katalogisierung gar nicht, aber ich bewundere diese Weltklugheit, diese Weitsicht, dieses auch naturwissenschaftliche, immense Wissen von Gustafson, welches immer wieder hier und aus den Seiten perlt. Früher habe ich seine Sätze gerne unterstrichen (Z.B in „Die Sache mit dem Hund“ oder „Der Dekan“), aber wenn ein Buch in Gänze gut ist, dann bleibt eben die Gesamtunterstreichung. Es ist beängstigend gut, wie uns Gustafson in der Gestalt eines Oxforder Philosophieprofessors an die Eigentümlichkeiten des Alters heranführt. Nämlich die unaufhaltsame Deutlichkeit des Langzeitgedächtnisses im Gegensatz zum unerträglichen Gesabber und Geplapper von heute. Er denkt über seine Jugendzeit nach und speziell die Spannungen des Erwachsenwerdens, über den aufkeimenden (vor 68ger) Widerstandes der Jugend gegen barsche Schulstrukturen und die ersten Zärtlichkeiten und Staunereien über das andere Geschlecht. Und ich wiederhole es, das alles ist gepaart mit einem profunden philosophisch-naturwissenschaftlichen Hintergrund, welcher uns wie nebenbei (Besonderheiten) der Astrophysik nahebringt, was man aber alles nicht wirklich verstehen muss. Wer kennt schon den Begriff des Möbiusbandes (Die Zeit hat kein Anfang kein Ende und wenn überhaupt nur eine Kante) und wenn wir am Ende des Buches in den schönen weißen Armen von Frau Sorgendahl gelandet sind, dann wissen wir, es gibt Menschen auf dieser Welt, die auch im hohen Alter Ruhe bewahren und die Dinge ihren Lauf lassen. Wenn dazu gehört, solch ein kleine Meisterwerk zu schreiben, welches vielleicht zufällig entstanden ist (denn manchmal hat man das Gefühl, Gustafson hat den Roman beim Schreiben entwickelt), dann kann man vielleicht wieder ein wenig ruhiger dem Lauf der Dinge entgegen sehen.

 

Das Herz des Jägers
Deon Meyer, Verlag Rütten & Loening

Gut ich habe Deon Meyer mit "Der Atem des Jägers" kennen gelernt und war ziemlich begeistert. Nahtlos freute ich mich auf "Das Herz des Jägers". Leider hält das posthum (noch mal) veröffentlichte Buch dem erst gelesenen qualitativ nicht stand. Die Sache ist, wie so oft, klar: "Das Herz des Jägers". wurde ein paar Jahre früher geschrieben. Zwar werden wir hier mit der Hauptfigur Thobela bekannt gemacht, und die ganze Geschichte dieses wilden Kämpfers und Agenten zu kennen, macht ja Sinn, aber die Geschichte nimmt nie wirklich Fahrt auf. Sie wird immer wieder von eigentümlichen Rückblicken durchstoßen und manches davon ist auch tatsächlich unerheblich, wenn ich mir das mal anmaßen kann. Diesen Roman zu Ende zu lesen ist wirklich anstrengend, und was was den "Atem des Jägers" ausmachte, nämlich viel über die Zerrissenheit von Südafrika zu erfahren, vermisse ich hier. Und die wilden Verfolgungsjagden, Thobela flieht auf einer gestohlenen BMW durch die Weiten des Kontinents, um eine Diskette mit brisantem Material nach Sambia zu bringen, ermüden auf Dauer. Also ich bleibe dabei: zuerst "Der Atem des Jägers" lesen und dann auf den wirklichen Nachfolgeband warten

 

Stalking
Jason Starr,  Verlag - Diogenes

Vor diesem Buch kann ich nur warnen. Ich habe lange nicht mehr was Dämlicheres gelesen. Wieder einmal wundere ich mich über Lobpreisungen und Auszeichnungen auf dem Umschlag. Im Grunde geht es, ähnlich wie in diesem ebenso flachen wie hoch gelobten Katharina Hacker Roman "Die Habenichtse" um gefühllose Idioten, diesmal in der Metropole New York, die nichts anders im Sinn haben, zum ersten mal Analsex zu haben und Bräute zu sammeln. Dazu der übliche Körperkult von BWL Yuppies und Bank Beschäftigten (selbst eine erstrebenswerte Anstellung bei "Leman brothers" und/oder bei den anderen Verbrecherbanken werden so nebenbei erwähnt) machen das Buch, sowohl grottenschlecht als auch schon im Erscheinungsjahr anachronistisch. Ach ja, da gibt es ja noch eine Stalker Geschichte eines Psychopathen... gut, ich habe das Buch bis zur Mitte gelesen, und dann das Ende. Und da war ich froh, das Buch so früh weggelegt zu haben.
Ich verstehe den Verlag nicht.

 

Himmel und Hölle
Jon Kalman Stefansson, Verlag Reclam

 Im Darwinjahr fällt mir dieses Buch zufällig in die Hände und irgendwie wird Island für mich ein wenig zum Galapagos Archipel, denn dieser eigentümliche Menschenschlag, der da so prosaisch und hoch beeindruckend beschrieben wird, hat etwas ganz eigenes entwickelt. Quasi aus den Tiefen der Islandsagen erwachsen und sie kommen nicht - und wollen es auch nicht - von den Mythen und Legenden weg, die ihr Leben prägen und das sie so fortsetzen. Da ist zum Beispiel die absolute Abhängigkeit vom Meer und die eigentümlichen Geschichten rund herum. Entweder sind sie alle selbst schon Trolle oder zumindest auf dem Weg dorthin - Menschen, die sich weigern schwimmen zu lernen, weil der Herr ihnen ja sonst Flossen gegeben hätte. Auf der Suche nach der Atmosphäre dieses Buches bin ich bei einem weiteren bedeutenden Autor fündig geworden: Christoph Ransmayrs "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" macht ähnlich frierend bei der Lektüre. So düster und eisig alles auch beschrieben ist, so hochphilosophisch wird hier vom Leben erzählt. Unglaubliche Zitate, bei denen das Herz aufgeht. Beispiel? "Manche Worte können wahrscheinlich die Welt verändern, sie können uns trösten und unsere Tränen trocknen. Manche Worte sind Gewehrkugeln, andere Geigenklänge. Manche können den Eispanzer um das Herz zum Schmelzen bringen. Und doch taugen Worte nicht viel, und wir verirren uns auf den öden Hochlandheiden des Lebens und gehen verloren, wenn wir nichts als einen Stift zum Festhalten haben." Wahrlich kein Buch für Unterhaltungsjunkies, eher ein Buch für Menschen, die den Rand des Lebens erahnen, den Sinn nicht mehr suchen, aber das Beste draus machen.
Es ist die Geschichte eines Jungen den wir begleiten, was weiß ich in welchem Jahrhundert? Ist das wichtig? Gut, sagen wir vor ca hundert Jahren, er geht mit einem Freund, der John Miltons Verse aus dem "Verlorenen Paradies" innerlich bebend auswendig lernt und so vergisst seinen Anorak beim rausrudern auf einer Nussschale zum Dorschfang vergisst, anzuziehen. Das Eis, der Donner, der Schnee, die Schrecken der See allgemein, kommt über sie und der Freund stirbt an der Kälte. Unglaubliche Beschreibungen vom Kampf mit der tobenden See und dem Überleben. Der Junge macht sich auf, das Buch zurück zu bringen. Tappert halb erfroren durch die Kälte starrenden Hochheiden mit den lauernden Felsen und Bergen, die scheinbar selbst leben, wachsen oder schrumpfen - je nach Lichteinfall und Wetter. Und er landet am Ende des Tages am Tisch in einem Wirtshauses , wo er einen hünenhaften Kapitän mit Bierflaschen versorgt und einem blinden Teufelskerl den Kaffee nachschüttet. Das Buch zeigt, was alles möglich ist auf der Welt. Wie ein Gemälde vor dem man schaudernd steht, nein ehrfürchtig.

 

Mitten ins Gesicht
Kluun,  Verlag Fischer

Come on baby, light my fire - The doors !" You know that I will be untrue, you know that I will be a liar..." So stellt der niederländische Erfolgsautor Raymond van de Klundert, kurz Kluun, all seinen Kapiteln irgendeine Zeile aus Rocksongs, Büchern, Filmen, etc., vorwiegend aus den achtziger und neunziger Jahren, voran. Diese Doors - Zeilen fehlen. Mag sein, dass zwischen uns eine ganze Generation liegt und er deshalb Jim Morrison (s. o.) vergessen hat. Auch fehlt Frank Zappa mit seinem legendären Bobby Brown "Tell all the girls, they can kiss my heini..." aber zumindest hat er Bruce Springsteen immer auf dem Schirm - und das macht ihn wiederum sympathisch. Das ist auch mein Wort des Einstiegs: wie kommt es, dass mir so ein Arschloch, so ein abgewichster Lügner und penetranter Werbeidiot, ohne Geldsorgen im Cocktailsumpf trendiger Discos, dieser Sexmaniac und Egoist, dieser speed- und extasy durchschüttelte Yuppie, mir einfach sympathisch ist? Vielleicht die ausgleichende Liebe zum Fußball, in diesem Fall die akribischen Aufstellungen von irgendwelchen Europacupschlachten von Ajax gegen sonstwen. Einig sind wir uns auch, dass van der Saar der beste Torwart der Welt ist (ich bin auch Torwart, ich kann das beurteilen). Komm, ich will mich nicht weiter herumdrücken: ich habe am Ende geweint, in einem Cafe vor allen Leuten, am Tisch mit meiner Tochter und meiner Frau - und ich habe mich nicht geschämt. Dieses Buch ist so schonungslos wie verantwortungsvoll - es zeigt eine westliche Lebensweise ohne jede Philosophie und somit auch ohne Halt (-ung), in der der Tod einfach nicht vorkommen darf.("The world is young, and so am I, we can dance..." man without hat) Der Sensenmann kommt aber, und das so grausam nah, so direkt, dass es einem den Hals zuschnürt. Es geht um einen aggressiven Brustkrebs seiner Frau Carmen und den verzweifelten wie nutzlosen (Über-) Lebenskampf. Und es geht um Kluuns Art (oder, provokativ, die der Männer allgemein?), damit umzugehen, mal milde ausgedrückt. Da verliert er sich in Orgien und Saufurlauben und noch während er sich in irgendwelchen fremden Betten herumfläzt, denkt er schon wieder über die nächste Lüge nach - um bei Carmen heil aus der grade angerichteten Katastrophe zu kommen. Es ist nicht so, dass Carmen nicht vorher wusste, dass sie mit Kluun einen notorischen Seitenspringer geheiratet hat, aber sie dachte wohl, das versendet sich irgendwann, evtl. mit der Geburt der gemeinsamen Tochter Luna. Nichts da, "Hier stehe ich (- oder besser, hier steht er-) Ich kann nicht anders" (war das Luther? Egal) Der Brustkrebs ist höllisch, es kommt zu schrecklichen Chemotherapien und Bestrahlungen, bei dem jeder Mensch sich selbst verliert. Carmen kämpft solange es geht, und Kluun, immer zwischen Selbstmitleid und der "bis das der Tod Euch scheidet" - Verantwortung taumelnd, findet in diesem Strudel doch noch halt in Roos, einer anfangs flüchtigen, später um so wichtigeren Bekanntschaft. Mit ihr teilt er die letzten Geheimnisse, auch die über Carmens Untergang, aber auch, und das ist das Gemeine an dem Buch, Sex, und der passiert eben auch mit dem vollen Bewusstsein, dass Carmen grade zu Hause vor Schmerzen schreit. Ich will und kann es nicht bewerten, vielleicht insofern, dass sich jeder (Mann) einfach mal fragen sollte, wie echt ist das alles? Wie bin ich, oder, wer bin ich? Jetzt, wo alles noch gesund ist? Was passiert "when I´m sixtyfour"? (Dieses Zitat kennt Kluun natürlich) Also gut, ich ringe mich durch - unbedingt lesen!

 

Empörung
Philip Roth, Verlag Hanser

Wir kennen die Lichtgestalten der vergangenen (literarischen) Epochen. Goethes "Werther": ein intelligenter, hochsensibler, schwärmerischer junger Mann - schreibt im ausgehenden 18. Jahrhundert seinem Freund Wilhelm Briefe, über seine Verzweiflung und die Aussichtslosigkeit der Liebe und über gesellschaftliche Zurücksetzungen. Holden Caulfield, der "Fänger im Roggen" von Salinger, auch ein Mensch, der an den gesellschaftlichen Verhältnisses zerbricht und auch Kleists Michael Kohlhaas ist einer, der durch seinen verzweifelten Kampf gegen das System riskiert, alles zu verlieren, was ihm wertvoll ist. Doch am nächsten kommt Robert Musils Törleß der Gestalt Marcus Messners in Philip Roths bewegender Prosa "Empörung". Musil beschreibt in der Figur Törleß die Geschichte einer Identitätsstörung mit geradezu klinischer Dichte. Marcus Messner ist der Sohn eines koscheren Metzgers in schweren, ärmlichen Verhältnissen der frühen fünfziger Jahre in einer Kleinstadt an der Ostküste. Der Koreakrieg reißt tiefe Wunden in den amerikanischen Traum und der Vater von Marcus leidet an Verfolgungswahn, indem er seinen geliebten Sohn vor lauter Angst, es könne ihm "irgendwas" passieren, am liebsten in einen Schrank einsperren will. Marcus flieht aus dem psychopathologischen Elternhaus in ein beschauliches College 500 Meilen von zu Hause. Hier will er fleißig studieren, einen Einser - Abschluss machen und vielleicht mal Anwalt werden. Alles kommt anders und endet in mehreren Katastrophen. Der imposanteste Auftritt in dem Buch ist Marcus` Besuch bei dem Dekan des College, der in einer Brandrede über Bertrand Russels Essay aus dem Jahre 1927 "Warum ich kein Christ bin" endet. Marcus ist Fan von Russel und kennt den Essay nahezu auswendig, weil er früher in der Highschool Mitglied in einem Debattierclub war. In einer beispiellosen Wut auf die scheinheilige Arroganz des Dekans mit seinem unsäglichen Patriotismus und klerikaler Kleingeistigkeit, schreit sich Marcus Messner in Rage und übergibt sich im Zimmer des Dekans. Nach einer überstandenen Blinddarmoperation eskalieren die Ereignisse im College immer mehr und Marcus verliert sich in der verzweifelten Suche nach Olivia, die ihm am Anfang seiner Zeit im Winesberg College ein Erlebnis bescherte, das auch sonst kein Mann in seinem Leben vergessen wird. Die hohe Kunst des Buches liegt auch darin, dass es in oder aus einer Dimension geschrieben ist, die nicht wirklich existiert, aus einer Art Ewigkeit heraus, denn nach einigen Hinweisen Roths in der Geschichte von Marcus als Ich Erzähler, begreifen wir, dass Marcus tot ist. Und quasi aus dem Jenseits erzählt. Ein bewegendes Buch. Und so ganz anders als die von ihm gewohnten Romane über alternde New Yorker Juden oder Professoren, die trotz Haarausfall und zitternden Händen, den Frauen nachstellen. Dieses Buch, wenn auch mit überschaubaren 200 Seiten, ist unbedingt zu empfehlen. Allein schon wegen der perfekten Analysen Bertrand Russels zum Gottesbeweis (das es eben keinen gibt), die aktueller ist, den je.

 

Die Kunst des Scheiterns
Konstantin Wecker, Verlag Piper

Da nimmt man ein Buch zur Hand, weil es eben da liegt oder wie in meinem Fall, weil es der Partner zum Geburtstag bekommen hat. Welch eine glückliche Fügung, denn eigentlich meine ich, dass ich das Buch hätte kriegen müssen. Konstantin Wecker, einer meiner Liedermacherheroen, Vorbild will ich ihn vielleicht nicht nennen, aber er brachte auch bei mir das lyrische Element in meine Arbeit. Aber um die geht es ja nicht, vielleicht ein anderes Mal. Hier geht es um einen Mann, der immer zwischen kraftstrotzender, animalischer und schweißdurchtränkter Bühnenarbeit und jenem dünnen Eis der Existenzängste und Fluchten hin und her sprang - aber heute vielleicht nicht mehr springt. Viele seiner Verse, Reime und lyrischen Bilder, zitiere ich noch aus dem ff., wie "Noch kriegt ihr mich nicht dran, es ist noch viel zu viel zu tun, auf jenem Blatt, das Lorbeer heißt, will ich nicht ruhn, ich will die Feigheit rennen sehn..." und so weiter. Und jetzt lese ich endlich mal seine Geschichte, die mir ein schlechtes Gewissen bereitet. Denn ich habe mich in all den Jahren oft in der Bewertung dieses Menschen von, sagen wir es ehrlich, Klatsch und Tratsch und wirren Koksgeschichten und - Gerüchten, beirren lassen, was mir heute leid tut. Denn ich hätte alles besser wissen müssen. Hier geht es um eine hochsensible Vita, geprägt von christlich, spiritueller und hochintellektueller, humanistischer Einstellung, geprägt von einem Elternhaus, welches in finsteren deutschen Zeiten den Rücken grade hielt. Trotz oder deswegen, wie so oft, muss der Jugendliche Konstantin sich reiben, an den Verhältnissen im dumpfen Bayern München, er bricht aus und das bis heute. Es ist für mich ein wichtiges Buch, weil ich seit den Siebzigern auch gegen die Verhältnisse anschreibe und -singe, und ich weiß durch dieses Buch, wie tief man als Künstler fallen kann, wenn man sich ganz oben wähnt. Ein Popstar des kritischen Songwritings zu sein, davon darf man träumen, klar, aber die Extreme, die Nähe zwischen Genie und Wahn, kann eine Persönlichkeit zerrütten. Schön, dass er es geschafft, zu überleben. Das war wohl nicht leicht - eine Quintessenz aus diesem Buch, denn ich denke das will er vermitteln. Was mich vielleicht ein wenig stört, ach eher überhaupt an Autobiographien, sind die vielen Zitate von Philosophen, die das grade Gesagte, entweder einleiten oder bestätigen, bzw., dass man nun nach dieser oder jener Weisheit, sein Leben geändert hätte. Mir kommt es so vor, und wahrscheinlich stimmt das auch, dass da ein Buch existiert für Autoren, die für jeweilige Lebenslagen philosophische Zitate brauchen. Früher machte mir das immer ein schlechtes Gewissen, denn ich habe tatsächlich gedacht, die hätten alle diese Philosophen komplett studiert. Alles Quatsch. Heute weiß ich selbst wie das geht. Bewundernswert, das Editorial: eine Aufzählung seiner bisherigen Arbeit, und das ist wirklich unglaublich - da fragt man sich, woher hat (hatte) er all die Energie?

Ich freue mich jetzt jedenfalls auf einen gemeinsamen Auftritt im Juli 2009 bei "Songs an einem Sommerabend" in Oberfranken. Da werde ich mich wohl ganz klein fühlen. Und er wird mich fragen "Warum" oder "Um was geht es eigentlich im Leben?" Stimmt.

 

Das Zeichen des Widders
Fred Vargas

Zumindest gewöhnungsbedürftig.
Mein erster Roman von Fred Vargas war "Das Orakel von Port-Nicolas". Schnell folgten andere Highlights wie "Der vierzehnte Stein", "Fliehe weit und schnell" oder zuletzt "Die dritte Jungfrau". Ich war immer begeistert. Fred Vargas versteht es, skurrile Geschichten, Charaktere und Gedanken zu einzigartiger Prosa zu vermengen, wobei mir das Wort "Kriminalroman" schon fast zu billig daher kommt. Der Aufbau, das Gespür für vermeintlich unwesentliches, welches sie in die Gedankenwelt ihres Protagonisten Kommissar Adamsberg und seinem zwar alkoholabhängigen, gleichwohl genialen Partner Danglard, legt, ist einfach einsame Klasse. Nun bekomme ich ihre neue Produktion "Das Zeichen des Widders" geschenkt und habe mich mit Freude draufgestürzt. Kaum habe ich angefangen, war ich schon fertig. Dieser "Roman" ist zwar routiniert im Vargasstil konstruiert, hätte aber als Büchlein erschienen, nur ca. 150 Seiten, wenn überhaupt. Die ganze Geschichte ist ein Comic Krimi. (Zeichnungen eines gewissen Baudoin) Da muss man schon durchatmen, denn ich habe mich auch schon früher selten für dieses Genre interessiert. Und hat man einmal die Figuren gezeichnet gesehen, dann reicht mir das im Grunde. Also ich weiß echt nicht, was das soll. Alles andere ist schnell erzählt.
Ein durchgeknallter, selbsternannter Guru, eine Mischung aus ekeligem Zeug, Esoterik und vermeintlicher Spiritualität, alles krude, wird von zwei Straßenkids in gewohnter Manier überfallen. Dieser Verrückte hat es allerdings in sich und weiß sich zu wehren, denn all seine kleinen Heiligtümer, uralte Zähne, Haarbüschel, etc. sowie 30000 €, haben die Jungs mitgehen lassen. Er spürt einen von Ihnen auf und bringt ihn kurzerhand um und hinterlässt Rätsel in Form eines eingeritzten Widdersymbols auf der Haut. das erinnert unsere Polizisten an frühere Fälle. Wir sind also auf der Spur eines verrückten Serienkillers. Einer der beiden Jungs versucht mit heiler Haut davon zu kommen, das klappt aber nur mit dem genialen Beistand von Adamsberg. Zwischendurch erzählt uns Vargas von einer außergewöhnlichen Familie, wo der Vater, ein bildender Künstler aus Abfallprodukten den Berninibrunnen in Rom, nachbaut. Ach ja, was soll ich sagen, ich empfehle dieses Buch all denen, die Comics lieben und sich darüber vielleicht mal angewöhnen auch Romane lesen zu wollen. Aber sonst?

StrichV300

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