Bucherkiste

Bücher 2014

Passagier 23
Sebastian Fitzek, verlag droemer
Was für eine ärgerliche Zeitverschwendung. Ich habe mich blenden lassen. Genau dort, wo man immer seine Finger von lassen sollte: nämlich von den Bücherstapeln am Eingang der Buchumschlagplätze in den dicken Fußgängerzonen mit den noch dickeren Plakaten wie „Spiegelbestseller“ oder sonst irgendwelchen Listen und Lügen. Da stand ich nun eines Tages und wartete auf eine Bekannte. Es dauerte und regnete. So kam ich zu diesem Buch. Nun bin ich ja gerne Kreuzfahrer, hab als Künstler schon einiges von der Welt sehen dürfen und mag das Leben auf solchen Schiffen. Nicht so Riesenpötte wie die hier beschriebene „Sultan of the sea“ eher ein-zwei Nummern kleiner, aber was solls. Eben Kreuzfahrt. Es gibt auch Psychothriller die ich mag. Ehrlich. Hab schon viele gute gelesen und hab die ganzen Nordländer geliebt, angefangen von Mankell, über Dahl, Adler Olsen, Nesbo, ach was weiß ich. Und jetzt dieser Blödsinn. Eine Gemische und Gewürge aus allen Zutaten dieses Genres. Angefangen von der leichten klaustrophobischen Spannung, die so eine Kreuzfahrt immer hat in den Kabinen, vor allem in denen ohne Bullaugen; auf Ozeanen, die tausende Meter schwarzes Wasser unter Dir bereithalten, immer schluckbereit. Und jetzt komm her: ehemaliger, einsamer Bulle, Frau und Kind mysterös vor Jahren auf eben diesem Schiff verschwunden, ein bisschen Schweigen der Lämmer, quälende Zellen im dunklen Bauch des Schiffes, alle tragen Geheimnisse, die nach jedem kurzen Kapitel um halt Interesse für das Weiterlesen zu erzwingen, irgendeine unglaubliche neue Grauenhaftigkeit, formulieren und alle aktuellen gesellschaftlichen Gemeinheiten unserer Zeit wie Pädophilie dazu gerührt, und dann, zack. Bestseller. Verstehe wer will.

 

Die Frau auf der Treppe
Bernhard Schlink, verlag diogenes
Es ist bestimmt ein Kreuz, einen so wunderbaren Weltklasseroman wie "Der Vorleser" geschrieben zu haben. Fortan wird man dran gemessen. Das ist in der Musik so, und in fast allen kreativen Bereichen, man nennt dieses Phänomen auch "one trick pony" oder "one hit wonder", oder was immer. Zuletzt habe ich diese Problematik einer Schaffenskrise in einem sehr guten Buch des amerikanischen Autors Joel Dicker gelesen: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Mehr durch Zufall schreibt ein junger Romancier einen Welterfolg und sonnt sich jahrelang in dem Ruhm, und macht auf Sunnyboy im Jetset. Dann kommt die Depression, Schreibblockade. Nun, warum erzähle ich das? Schlinks neuer Roman "Die Frau auf der Treppe" ist meilenweit weg von der Klasse des "Vorlesers". Trotzdem immer noch besser als der Durchschnitt. Denn Hin und wieder blitzt die unglaubliche Erzählkunst Schlinks auf. Hier ein schönes Zitat: "Ich klage nicht darüber, dass ich alt bin. Ich neide der Jugend nicht, dass sie das Leben noch vor sich hat; ich will es nicht noch einmal vor mir haben. Aber ich neide ihr, dass die Vergangenheit, die hinter mir liegt,  kurz ist. Wenn wir jung sind, können wir unsere Vergangenheit überschauen. Wir können ihr einen Sinn geben, auch wenn es immer wieder ein anderer ist. Wenn ich jetzt auf die Vergangenheit zurückschaue, weiß ich nicht, was Last und was Geschenk war, ob der Erfolg den Preis wert war und was sich in meinen Begegnungen mit Frauen erfüllt und was sich mir versagt hat" (Zitatende, Seite 55), Da ist mit Sicherheit viel Autobiographisches drin. Die Story: Der Ich Erzähler trifft zufällig in Australien auf einer Geschäftsreise in einer Galerie das Bild einer Frau, in die er damals, Anfang zwanzig und Juniorpartner in einer Frankfurter Kanzlei, verliebt war. Er rollt die Geschichte dieser Liebe, dieser Frau und die zwei weiterer Protagonisten auf, die sich dann ca. 40 Jahre später auf einer Insel in Australien, zum Showdown treffen. Alle sind alt geworden, um das Bild wird immer noch gestritten.  Die Frau, um die es geht, die auf der Treppe gemalt wurde, ist nunmehr todkrank. Viele Weisheiten werden gedacht und ausgesprochen, Resümees gezogen und mit vielem abgeschlossen. Man hat sein Leben gelebt und fragt sich, zurückschauend, wie alles so kam und warum es heute so ist. Ein Schicksalsroman halt,  aber einer, und das kennt wohl jeder von uns, der vierzig Jahre in unserem Hirn eingebrannten Bilder, mit einer Plötzlichkeit wieder lebendig werden lässt, als wäre alles gestern gewesen.
Lesenswert!

 

Atlas eines ängstlichen Mannes
Christoph Ransmayr, verlag fischer
Ich sah im Buchladen meines Vertrauens, etwas in Eile aber durchaus noch wählerisch, ein Taschenbuch von Christoph Ransmayr liegen. Sofort fielen mir wieder die Bilder aus "Die Schreckens des Eises und  Finsternis" ein, was ich damals (20 Jahre her?) atemlos las. Vor kurzem fiel mir noch ein Interview in die Hände, welches zusätzlich zu Ransmayr noch einen anderen Heroen meiner Wege, befragte: Reinhold Messner. Er und Ransmayr sind gute Freunde und haben zusammen nicht nur schon viel erlebt, sondern wohl auch viel über das Leben nachgedacht. In dieser Atmosphäre von Weltklugheit muss dieses Buch entstanden sein: "Atlas eines ängstlichen Mannes". Warum hier ängstlich steht, bleibt ungewiss, vielleicht weil jeder Mann a priori  ein Angsthase ist und sein Leben lang vor was auch immer fort läuft. Begreifen wir es mal so. Aber es gibt eben auch das Staunen über die Wunder des Lebens, der Begegnungen mit Menschen und mit der überwältigenden Natur. In siebzig kleinen Episoden, die alle mit "Ich sah.." anfangen (deshalb auch mein literarisch sensationeller Einstieg) begleiten wir Ransmayr durch die Welt. Jede kleine Geschichte ist an sich schon ein Geschenk und bildet zusammen einen Atlas  eines durch die Welt sehenden Mannes und man kann froh sein, diesen durch die Augen und Sinne Ransmayrs verfolgen zu können. Wunderbar ist es - kurz vor dem Einschlafen - diese kurzen Eindrücke mit in die Träume zu nehmen.

 

Stoner
John Williams, verlag dtv
Schöne Einsichten geben dem Roman Klasse. Zum Beispiel "...dass nämlich jene Person, die man zu Beginn liebt, nicht jene Person ist, die man am Ende liebt, und das Liebe kein Ziel, sondern der Beginn eines Prozesses ist, durch den ein Mensch versucht, einen anderen kennenzulernen." Da stockt man erst mal, liest den Satz noch zwei, drei Mal, schaut auf sein eigenes Leben, das von anderen und ist plötzlich in so einer wohligen philosophischen Schauderei! Dabei ist das Leben von William Stoner ein hartes. Aufgewachsen  auf jener, schon fast klischeehaft anmutenden kleinen Ranch, die ums nackte Überleben kämpft in irgendeinem amerikanischen Mittelwest Provinznest, und wo die Familie dem kargen Boden und dem ausgemergelten Vieh das Überleben abringt. Stoner als einziger Sohn der Familie, schafft den Sprung auf die Universität, aber widmet sich nicht, wie vom Vater erwartet, der Agrarwirtschaft, um anschließend die nahezu zum Tode verurteilte Ranch, durch komplexes Wissen, zu retten. Nein, er verschreibt sich der Philologie, Literatur und Philosophie, wird zum Professor für englische mittelalterliche Dichtung. Er gründet gar eine Familie und er  versucht mit unendlicher Geduld seine Tochter groß zu ziehen. Die Ehe ist von Anfang an zerrüttet, aber Stoner begegnet allem mit eigentümlicher Gleichmut. Er hat kaum Freundschaften, wenn überhaupt oberflächliche kleine Männertrinkrunden und alles wäre gut und er würde irgendwann völlig unauffällig und genügsam,  an der Uni emeritieren- und die Zeit schlägt ein Ei über alles und Stoner wäre darin verschluckt worden. Nun begibt es sich aber, dass er in so eine Art Mobbingsituation gerät, die er im Anfang ziemlich unterschätzt. Er hat ja eigentlich nur seine Arbeit gemacht und einem jungen arroganten Doktoranden eine entsprechend ungenügende Note gegeben. Fortan wird er mehr oder weniger geächtet, bleibt aber an dieser trockenen, typisch moralisierenden - amerikanischen Universität im mittleren Westen und gilt nun, in den frühen Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, als ein geduldeter Kauz. Sensationell verliebt er sich auf einmal im "hohen" Alter von 43 Jahren und seine Liebe wird von einer jungen Doktorandin namens Katherine Driscoll erwidert. Das Schicksal nimmt nun seinen erwarteten Verlauf. Und trotzdem ist es rührend wie Stoner sein Leben begreift und bewältigt und spiegelt. Ein Schicksalsroman, wie er im Buche steht! Schon 1967 zum ersten Mal erschienen aber in seiner Emotionalität gleichbleibend aktuell. Empfehlenswert.

 

Winterjournal
Paul Auster, verlag rowohlt 
Wenn ein Autor in der Lage ist, eine Biographie durchweg spannend, hoch unterhaltsam wie emotional mächtig niederdrückend zu schreiben, dann sollte man den Hut ziehen. Ich tue es hiermit. Mag sein, dass es daran liegt, dass mein Thema, nicht nur literarisch, immer mehr über die Phänomene des Älterwerdens handeln, sondern auch, weil ich selbst mitten in diesem Prozess stehe. Der Prozess des Lebens, abgeschossen als Pfeil mit der Geburt und schon da auf dem Weg ins Ziel. Unausweichlich. Vieles was dazwischen liegt, haben wir selbst in der Hand, können es so gut es geht gestalten, aber die meisten Lebensdramen entwickeln sich aus sich selbst heraus. Begegnungen und Zufälle, zufällige Begegnungen, Süchte, Unfälle, Krankheiten, seltsame Berührungen, Kinder, unvorstellbare Verliebtheit, und tiefe Fälle ins Bodenlose. All das erzählt Auster mit seiner lakonischen Erzählweise und nimmt uns mit in die Gegenwart der jeweils beschriebenen Ereignisse und Erlebnisse, die für ihn wichtig waren und sind. Und das, in dem er diese Geschichten auch in Präsenz schreibt. Etwa, ich bin 9 Jahre alt und…etc.! Ein kunstvoller Lesegenuss und wie so oft, reihen sich politische und philosophische Erkenntnisse quasi ganz nebenbei ein in dieses wunderbare Lebensjournal eines großen Autors.

 

Am Ufer
Rafael Chirbes, verlag Kunstmann
„Krematorium“, der Vorgänger aus 2008, war eines der besten Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe, und letztendlich habe ich dadurch auch eine meiner (von mir aus gesehen) besten und durchdachtesten Kritik geschrieben. Und - ich traute Chirbes einen Literaturnobelpreis zu. „Am Ufer“ hat mich dann doch etwas enttäuscht. Thematisch und geographisch bleiben wir gleichwohl im heißen Südosten Spaniens, einem Land der Sümpfe im Hinterland, der flimmernden nicht auszuhaltenden Hitze, von einer plastischen Endlichkeit geprägt, die einem schier die Luft zum atmen nimmt. Aber diese Finalität wird nunmehr auf die agierenden Personen übertragen. Die geplatzte Immobilienblase ist nur noch ein Randthema, man wendet sich nicht nur literarisch mittlerweile gähnend ab. Chirbes nimmt sich einen der Verlierer zur Brust, Estaban, und beschreibt gnadenlos körperliche und gesellschaftliche Veränderungen. Ein Roman über das Altwerden, über den Versuch der Armut zu entkommen ohne Zukunftsperspektiven zu sehen. Man strampelt sich ab und bleibt auf der Stelle. Kriegt einen Arschtritt und das war es. Eine gnadenlose Sonne brettert auf die Bauruinen Andalusiens.

 

Der Allesforscher
Heinrich Steinfest, verlag piper
Mein letzter Roman, den ich von ihm gelesen habe, war „Das himmlische Kind“- ein modernes Hänsel und Gretel Drama – und es hat mich auch sehr beeindruckt. Eigentlich alles was Steinfest geschrieben hat (Lilli Steinbeck, Mariaschwarz, etc…), ist wunderbar phantasievoll, unterhaltsam dabei durchweg durchdacht bis hin zum philosophischen Roman. Die Skurrilität der Ausgangspunkte ist ihm extrem wichtig und es fesselt auch sofort. Genau wie bei dieser munteren Geschichte eines Ex Managers, in seinem Job anfangs leidlich erfolgreich, weil, er brauchte nicht viel zu tun; das Alleinstellungsmerkmal seines von ihm präsentierten Produktes, brachte ihn auf Geschäftsreisen rund um die Welt. Bis ihm, ja bis vor ihm auf offener Straße, in Taiwan, mitten in der Stadt, frühmorgens, nach einem suboptimalen Bordellbesuch, ein Wal explodiert. Und jetzt nimmt eine märchenhafte und verrückte Geschichten Fahrt auf. Wie es endet, soll hier nicht verraten werden, die Umwege zum glücklich sein, sind genauso verworren wie das Leben selbst. Zufälle und Unfälle sind gleichrangig, aber die Liebe bleibt ewig, muss aber immer wieder neu beschnuppert und gelernt werden.

 

Letztendlich sind wir dem Universum egal
David Levithan, verlag fjb
Eine Buchempfehlung eines Freundes. Und der war so begeistert über den Roman, dass ich, als ich mal wieder durch den Buchladen meines Vertrauens streunte, auf einmal genau dieses Buch in der Hand hatte und es schließlich, nahezu ohne weitere Prüfung, mitnahm. Ich erwartete, durch den Titel schon allein, dass es sich um hier evtl. um die philosophisch-astrophysikalische Erkenntnis dreht, die der Titel auch durchaus richtig widergibt, nämlich, dass wir dem Universum tatsächlich vollkommen egal sind. Um dieser bitteren Erfahrung zuvor zukommen, wurde die Religion erfunden, mit all ihren schlimmen Auswüchsen. Macht nur die Nachrichten zur nächsten vollen Stunde an. Das Buch entpuppte sich dann aber eher als eines aus der Jugendliteratur. Bestimmt eines der besseren, aber ich verlor relativ schnell das Interesse. Es handelt sich um so eine Art „und täglich grüßt das Murmeltier“ Effekt. Die Hauptperson ist jetzt grad so in der Postpubertät und hat schon immens viele Jahre hinter sich, in denen er täglich und zwar jeden Morgen, in einem anderen – gleichaltrigen – Körper erwacht. Das ist manchmal spannend, vor allem für den, der sich immer neu mit den jeweiligen Erfahrungen und Lebensdramen, des von ihm für einen Tag besetzten Körpers, auseinandersetzen muss. Was nicht vorkommen darf, ist Liebe. Genau das passiert, aber wie das anstellen, wenn man täglich ein anderer ist? Ach ja… am Ende weiß auch der Autor nicht mehr so recht weiter. Ich sowieso nicht!

 

Koma
Jo Nesbø. Verlag ullstein
Zu diesem Roman muss ich mal was Grundsätzliches sagen. Ich glaube, es ist mein fünfter oder sechster Roman mit und um den heiligen, gefallenen, alkoholsüchtigen, genialen, traurigen, hundert Mal durch die Hölle gegangenen Ermittler der Osloer Kripo, der im Laufe seines Lebens, aber auch alle Scheiße durchgemacht hat. Und sogar mehrmals tot war. Und hier setzt auch an was ich sagen will: Harry Hole ist nicht von dieser Welt und ist doch mittendrin im Sumpf. Und wir sind immer nah dran, wenn mal wieder eine Grenze erreicht ist. Emotional oder durch  eine ermittlungstechnische Falle. Das ist alles schön und gut, aber ich bin es schon seit dem „Schneemann“ leid, immer nur auf falsche Fährten gelockt zu werden. Ständig kriegen wir die lange Nase gezeigt, und man kann an der Dicke des Buches erkennen und auf welcher Seite man grade ist, dass, was immer grad passiert und ist es noch so grausam, es nicht der ist, der sich am Ende des Buches als Oberverbrecher, in diesem Fall der „Polizeischlächter“ (eben auswechselbar „Schneemann“ oder „Leopard“), outet. Ich finde das wird langsam langweilig…da lohnt sich schon kaum das mitdenken, oder sich die Charaktere zu merken. Man wird sowieso „auf die falsche Fährte“ gelockt. Und jetzt, wo ich das Buch endlich zu Ende gelesen habe, habe ich schon keine Lust mehr, es zu kritisieren. Hinterher locke ich den geneigten Nesbø Freund auf die falsche Fährte.

 

magical mystery
Sven Regener, verlag galiani
Sven Regener habe ich tatsächlich über „Herr Lehmann“  kennengelernt. Erst später dann über eine der außergewöhnlichsten Deutsch-Rock- Indie-Folk, was weiß ich, Gruppen, die sich wohltuend von allem unterschied und noch unterscheidet. Element of crime braucht keine Hitparaden, keine Medieneinsätze. EoC hatte und hat immer ihre fans. Und womit? Mit Recht.  Sven Regener, ist der Vorzeigelyriker, der Prosaist unter den Songwritern, der Anti Liedermacher – Liedermacher. Und er hat verdammtes Schreibtalent. Man könnte vor Neid erblassen, grad, wenn man - wie ich - auch in dieser Suppe schwimmt, von Kreativität und Songwriting gewürzt. Wie gesagt, Herr Lehmann, paar Jahre her, so lange, dass man es vielleicht wieder lesen sollte. Denn wer mit Magical Mystery bei Regener einsteigt, erwischt ihn, und somit auch sich, auf dem falschen Fuß. Hochachtung, um es gleich vorwegzunehmen, vor der Beschreibung des Entzugs, von was immer für Drogen oder Alkohol. Karl Schmidt, damals schon im Berliner Dunstkreis von Franki Lehmann, lebt seit fünf Jahren in einem Altonaer Wohnprojekt mit dem Ziel, clean zu werden, bzw. zu bleiben. Aufgabe der Sozialarbeiter: Tagesstruktur für Ex-Junkies, Ex-Alkis, etc… Der Zufall will es, dass er gefunden wird, von den alten Jungs, die ihn brauchen, und er gleich wieder in die Szene einsteigen soll, so als Tourfaktotum,  hier allerdings geht es um rave. Also Mayday und so Sachen. Bumm, Bumm in Endlosschleifen. Um die Aufleger, mit dem einem Ohr immer am Kopfhörer. Das ist alles teilweise lustig, aber auch manchmal langatmig, weil sich der Tourstress immer wiederholt und irgendwann fängt man an, zu überlesen. Es gibt auch kein wirkliches Ende. Es plätschert dahin. Aber genial, die Beschreibung von Karl, wie er erklärt, wenn und wie die Persönlichkeit austickt, wegdriftet, sich im freien Fall befindet. Man wartet auf einen Aufprall den wir normal  Abhängige,  ja oft genug schmerzhaft erleben -  aber die pathologisch abhängigen (Juhnke winkt aus dem Himmel) prallen nicht auf. Sie fallen permanent. Wie auf einem Kettenkarussell, bei dem sich eine Gondel löst und dann abgeht, aber nie aufknallt. Unbehaglich richtig beschrieben. Eins will ich in meinem Leben allerdings nicht mehr kennenlernen: Fluxihotels. Vor allem nicht in Schrankenhusen – Borstel.

 

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Joël Dicker, verlag pieper
Toller Roman. Gute Idee. Beste Unterhaltung. Reicht schon oder? Aber der Reihe nach. Es geht um vermeintliche Bestsellerautoren und um Schreibblockaden. Das scheint sich zu bedingen. Wer einmal in die Hitlisten der Bücherwelt aufgestiegen ist, von dem wird auch weiterhin meisterhaftes erwartet. Aber das ist nicht selbstverständlich. Es geht um zwei Autoren und um ein Mädchen, namens Nola. Marcus Goldmann, ist der jüngere Autor, von seinem ersten Erfolg quasi umgehauen, genießt ein paar Jahre seinen Status des junger Wilder der Schriftstellerei und merkt so nach und nach, dass er nicht mehr schreiben kann. Er wendet sich an seinen alten Freund und Professor Harry Quebert und bittet ihn um Hilfe. Dieser Harry ganz Elderstatesman und Mentor in einem, versucht Marcus zu beruhigen. Dann wird im Garten von Harry, der sich in New Hampshire einen exklusiven Ruhesitz angeeignet hat, die Leiche der damals 15jährigen Nola gefunden. Mit dabei hat sie ein Manuskript, und zwar das des Welterfolges „Der Ursprung des Übels“ von Harry Quebert. Der wird verhaftet. Marcus glaubt nicht, dass Harry Nola vor 33 Jahren ermordet - und das Mädchen dazu noch in seinem Garten verscharrt haben soll, und beginnt zu recherchieren. Diese Recherche ist am Ende das vorliegende Buch. Der neue Welterfolg von Marcus Goldmann.  Es bleibt von Anfang bis Ende spannend, aber das ist eins der Bücher, wo man auch nicht andeutungsweise jemandem sagen sollte, wie es ausgeht. Wir sind bei der Spurensuche hautnah dabei, und es tauchen immer neue Unwirklichkeiten, Lügen und Verdrehungen auf, die zwar am Ende Harry reinwaschen ihn aber als gebrochenen Menschen zurücklassen. 

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